Formel 1 2011 Nick Heidfeld auf dem Weg nach ganz oben – Ein Interview mit dem Lotus Renault GP-Piloten
Er kam als Ersatz für Robert Kubica und fährt nun vorne mit. Ein Podiumsplatz beim zweiten Saisonrennen zeigte, dass er es drauf hat in der Formel 1 2011 und alle Kritiker unrecht hatten. Ist Nick Heidfeld auf dem Weg nach ganz oben? Ein ganz aktuelles Interview mit dem Lotus Renault GP-Piloten
Nick Heidfeld im RTL-Interview
„Überholmanöver sind manchmal zu einfach
„Quick“ Nick Heidfeld und sein Lotus-Renault-Team haben in der noch jungen Formel 1- Saison bereits für mehrere positive Schlagzeilen gesorgt. Heidfeld selbst wurde beim Malaysia-Grand-Prix sensationeller Dritter, nachdem das gleiche Kunststück zuvor in Australien schon seinem Teamkollegen Vitali Petrov gelungen war. Vor dem Auftakt der Europa-Rennen am Wochenende in Istanbul sprach RTL exklusiv mit dem 33-Jährigen.
Nick, hat sich Ihrer Meinung nach das Spektakel Formel 1 mit den neuen Regeln verbessert?
„Ja, definitiv. Wenn man sich die Anzahl der Überholmanöver anschaut, ist es vielleicht sogar das Extremste, was ich seit langem in der Formel 1 gesehen haben. Aber manchmal war es vielleicht etwas zu einfach. Wenn man in der Vergangenheit ein Überholmanöver geschafft hat, war es meistens auf der letzten Rille und das war etwas Besonderes. Und jetzt? Wenn einer alte Reifen hat, der andere frische, dann fährt er außen rum, innen rum, eingangs oder ausgangs der Kurve – wo auch immer – einfach vorbei.“
Vor der Saison wurde den neuen Pirelli-Reifen viel Skepsis entgegengebracht, jetzt sind drei Rennen gelaufen. Wie denken Sie über die Reifen?
„Ich habe Pirelli auch vorher keine Skepsis entgegengebracht, vielleicht auch, weil ich an der Entwicklung der Reifen beteiligt war und wusste, wie wenig Zeit Pirelli zur Verfügung hatte. Das Ziel war es, mehr Boxenstopps zu generieren, um die Rennen spannender zu machen. Die Reifen haben sich bislang gehalten, sind konstant von einem Satz zum anderen. Ich glaube, einen besseren Job hätten sie in der Kürze der Zeit nicht machen können.“
Kommen wir zu Ihnen und Ihrem neuen Team Lotus-Renault: 0 Punkte in Australien – Podium in Malaysia – in China wieder null Punkte… Können wir in der Türkei wieder einen Podiumsplatz von Ihnen erwarten?
„Das Ziel ist definitiv, ein gutes Ergebnis oder ein Podium herauszufahren. Unser Team hat das zweimal geschafft in drei Rennen. Also, die Chance ist da, auch wenn das eine oder andere Team noch schneller ist als wir. Speziell Red Bull und McLaren sind da noch was voraus. Doch wenn alles optimal läuft, könnten wir schon dahinter kommen.“

In China hattet Ihr auch KERS-Probleme. Aber Ihr habt auch Geschwindigkeitsprobleme. Woher wollt Ihr den Speed holen?
„Über die Saison hatten wir ein paar kleinere Probleme. Mit KERS war es nichts Dramatisches, wie z.B. bei Red Bull. Wir können uns in allen Bereichen und Belangen noch verbessern. Ich bin ja noch recht neu beim Team dabei und ich glaube, dass wir noch Potenzial haben, uns zu steigern. Wir hatten schon beim zweiten Rennen ein gutes Update-Paket dabei, werden jetzt auch in der Türkei ein paar neue Teile bekommen, hoffentlich genug, um einen Schritt nach vorne zu machen.“
Nach den ersten beiden Rennen sah es nach einer Solofahrt von Sebastian Vettel aus. Hat McLaren nun wirklich aufgeholt und glauben Sie, dass es viele verschiedene Sieger in dieser Saison geben wird?
„Ja, ganz klar. Nach dem ersten Rennen haben einige gesagt, es wird ein Durchmarsch von Sebastian und Red Bull. Aber wenn man sich die letzten Jahre anschaut, ist ein solcher Durchmarsch wirklich selten. Speziell McLaren hatte in den letzten Jahren leider oft ein bisschen hinten angefangen und sich dann schnell und sehr stark steigern können. Jetzt waren sie schon beim ersten Rennen ganz gut dabei und haben dann bereits den 3. Grand Prix gewonnen. Wenn sie die Entwicklungsgeschwindigkeit der Vorjahre halten, werden sie ein Ernst zu nehmender Gegner sein. Und ich hoffe, dass auch ein paar andere Teams und auch wir in der Lage sein werden, ganz, ganz vorne mitzukämpfen.“
Sie kennen die Silberpfeile, bei denen Sie noch letztes Jahr Ersatzfahrer waren, sehr gut. Glauben Sie, das Team hat das Potenzial, tatsächlich aufs Podium zu fahren – vielleicht so gar ganz noch oben?
„Ich glaube, das Potenzial, aufs Podium zu fahren, haben sie ganz klar, vom Team her, von beiden Fahrern her und definitiv auch von dem jetzigen Auto. In China hätte nicht viel gefehlt, und der Nico wäre aufs Podest gefahren. Da haben Sie schon einen guten Speed an den Tag gelegt.““
Quelle Interview und Foto: RTL