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Werkstattabzocke – Was ist wirklich dran?

10 Februar 2014 Keine Kommentare

Wenn Kunden nach der Reparatur ihres Autos die Rechnung erhalten, erscheint die ihnen häufig viel zu hoch. Etliche Verbraucher können nicht nachvollziehen, ob die vorgenommenen Reparaturen tatsächlich notwendig waren. Aus diesem Grund gibt es unabhängige Tests von Werkstätten, die durch Profis durchgeführt wurden und die Aufschluss darüber geben sollen, ob die getesteten Wertstätten seriös sind.

Die Testbedingungen beim Werkstatttest des ADAC

Der ADAC hat im Jahr 2013 stichprobenartig 72 Werkstätten getestet. Darunter waren große Ketten wie A.T.U, 1a Autoservice, Meisterhaft oder Bosch Car Service aber auch freie Werkstätten mit dem Logo des Zentralverbandes des deutschen Kfz-Gewerbes. Getestet wurden Werkstätten in den Großräumen Hamburg, München und Frankfurt. Die Testfahrzeuge waren ein VW Golf, ein Renault Megane und ein Audi A3. In das Endergebnis gingen die Arbeitsqualität zu 60 Prozent und die Servicequalität zu 40 Prozent in die Wertung mit ein. Das ernüchternde Ergebnis ist, das nur sechs Betriebe die Note „sehr gut“ erhielten. Hier liegt das Problem vor allen Dingen darin, dass die Werkstätten vorhandene Fehler überhaupt nicht erkannten.

Die Testergebnisse

Die großen Ketten arbeiteten durchschnittlich präziser als die freien Werkstätten, fielen jedoch durch teilweise hohe Preise negativ auf. Die Stundenlöhne der freien Werkstätten lagen im Test zwischen 102 und 65 Euro. Eine deutlich höhere Spanne zeigte sich bei den Werkstattketten. Hier lag der Stundenlohn zwischen 52 und 114 Euro – eine verhältnismäßig hohe Spanne bei vermeidlich gleicher Leistung. Mit einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis stach Autoteile Unger hervor, gefolgt von Bosch Car Services. Bei Autoteile Unger gab es zwei mit „sehr gut“ bewertete Betriebe. Bei Bosch waren es sogar drei. Jedoch schnitten auch drei der Bosch Werkstätten als „mangelhaft“ ab. Auch wenn es bei den Ketten scheinbar Diagnosestandards gibt, die dafür sorgen, dass mehr Fehler erkannt wurden, so sind die Ergebnisse dennoch besorgniserregend. Bei Stundenlöhnen von über 100 Euro sollten die Kunden erwarten können, dass ihr Auto ordnungsgemäß repariert wird und vorhandene Schäden aufgespürt werden. Lediglich 28 Prozent der getesteten Werkstätten schrieben auf die Rechnung, dass sie die Wartung nach Herstellervorschrift durchgeführt haben. Das wird insbesondere dann wichtig, wenn Kunden Garantieansprüche durchsetzen möchten.

Vergleich zu anderen Tests

Der ADAC Werkstatttest spiegelt die Ergebnisse anderer, kleiner angelegter Tests wieder, weshalb dieser Beispielhaft auch für die Ergebnisse anderer, ähnlicher Tests steht. Eine Umfrage des Nachrichtensenders NTV, der eine Zufriedenheitsbefragung zum Thema Werkstätten durchführte, kam zu einem interessanten Ergebnis. Bei der Befragung im Jahr 2013, an der 3377 Menschen teilnahmen, waren 36 Prozent der Befragten mit ihrer Werkstatt unzufrieden. Das zeigt, dass ein Wechsel der Werkstatt für manche die richtige Entscheidung sein könnte. Hier werden vor allem Freunde, Bekannte und die eigene Familie zurate gezogen. Wer es unabhängiger möchte, kann auch einfach im Internet Preise diverser Werkstätten vergleichen und sich kostenfrei speziell für Hauptuntersuchung und Co. Angebote einholen. In Punkto Service ist es oft auch hilfreich, einen ersten Eindruck zu gewinnen, indem die Werkstatt telefonisch kontaktiert wird. Hier zeigt sich schnell, wer echtes Interesse am Kunden hat.

Diese Testergebnisse machen wieder einmal deutlich, wie wichtig neben der Fachkompetenz auch die Servicequalität und das Vertrauensverhältnis zwischen einer Werkstatt und ihren Kunden sind, was scheinbar keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Vielleicht entsteht hier zukünftig ein ungeahnter Bedarf. Fragt sich, wer ihn erfolgreich als erstes decken kann.

Angesichts der derzeitigen Lage des ADAC sind solche Testergebnisse möglicherweise kritisch zu betrachten, wenn man zumindest nach den Kritikern des Autoclubs geht. Doch ob jetzt wirklich unter jedem Stein des Clubs wirklich Dreck zu vermuten ist, muss sich erst zeigen müssen. Und solange gilt nun mal die Unschuldsvermutung und damit auch die Vermutung, dass solche ADAC Tests anders als die Wahl zum Gelben Engel nicht manipuliert wurden bzw. deren Ergebnisse!



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